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Kardiologie & Gefäßmedizin

Funktionelle Herzbeschwerden: Diagnose

Funktionelle Herzbeschwerden
(Funktionelles kardiovaskuläres Syndrom)

Definition

Funktionelle Syndrome sind Beschwerdebilder mit unterschiedlicher Organsymptomatik, ohne dass organpathologische Veränderungen nachgewiesen werden können.
Allgemeine Zeichen funktioneller Störungen des Organsystems Herz-Kreislauf im Rahmen des funktionellen Syndroms.

Vorbemerkung:
Hier werden funktionelle Herzbeschwerden im engeren Sinne des funktionellen Syndroms abgehandelt. Nicht einbezogen werden also Rhythmusstörungen, dysdynamische Syndrome (siehe auch Funktionelle Rhythmusstörungen).

Häufigkeit

  • in der Gesamtbevölkerung: ca. 2–5%
  • in der Allgemeinpraxis: 10–15%
  • bei stationären Herzpatienten: 20%
  • bei Herzpatienten allgemein: 30–40%

Die Beschwerden treten im Allgemeinen vor dem 40. Lebensjahr auf, sind aber auch im höheren Alter nicht selten.

Ursachen und Auslöser

Häufig überwiegend angstneurotisch-depressive Persönlichkeitsentwicklung. Auf dem Boden dieser Entwicklung kommt es im Sinne herzneurotischer Beschwerden dann zur Dekompensation, wenn der Patient die Trennung von einer äußeren, als Mutter erlebten Figur zu vollziehen hat. Diese äußere Figur hatte bisher eine fehlende innere Sicherheit ersetzt.
Typische auslösende Situationen sind Unfälle, Todesfälle, schwere Erkrankungen und bevorstehende Trennungen. Dagegen keine Auslösung durch körperliche Belastung, vielmehr häufig Besserung hierunter (wichtig für Differenzialdiagnose gegenüber Angina pectoris).
Konstitutionelle Verbindungen in Form vegetativer Übererregbarkeit wahrscheinlich.
Aus lernpsychologischer Sicht scheinen in bestimmten Fällen Konditionierungen eine Rolle zu spielen.

Symptome

Die Patienten glauben fest, an einer ernsthaften Herzerkrankung zu leiden. Immer ist versteckt die Angst vorhanden, an der vermeintlichen Krankheit zu sterben.
Durch objektivierende Methoden (EKG, Belastung, Enzymchemie) kann keine organpathologische Beeinträchtigung nachgewiesen werden.
Dagegen liegt eine erlebnis- und verhaltensmäßige Störung vor: Die Patienten sind überaus ängstlich und fühlen sich vom plötzlichen Herztod bedroht. Sie vermeiden jede Belastung (chronische Schonhaltung) und zwingen Mitmenschen der nächsten Umgebung zu einem entsprechenden Schonverhalten.
Nach der Typologie der Neurosen sind viele der Patienten als Angstneurotiker einzuordnen.

Zwei Untergruppen sind zu unterscheiden:

  • Typ A (50%) mit "wehrloser Angstüberflutung" und starker Depression
  • Typ B (ca. 35%) mit "angestrengter Angstabwehr" und starken Verleugnungstendenzen

 

Differenzialdiagnose

  • Herzinfarkt
  • Angina pectoris vera
  • vertebragene Beschwerden

 

Weiterhin sind abzugrenzen:

  • dysrhythmische Syndrome
  • dysdynamische, insbesondere hyperkinetische Syndrome (siehe Funktionelle Rhythmusstörungen): Die Differenzialdiagnose ist hier besonders schwer, da Patienten mit derartigen Symptomen verstärkt zur gleichzeitigen Entwicklung von funktionellen Herzbeschwerden zu neigen scheinen.
  • dysästhetisches Syndrom (siehe Funktionelle Rhythmusstörungen) scheint dagegen mit funktionellen Herzbeschwerden im engeren Sinn identisch zu sein

Weitere Differenzialdiagnosen, die aber allgemein leichter zu stellen sind:

  • Hyperthyreose
  • Phäochromozytom
  • nervöses Atemsyndrom
  • funktionelle Oberbauchbeschwerden (die letzten beiden funktionellen Beschwerden scheinen psychopathologische Ähnlichkeiten mit den funktionellen Herzbeschwerden zu haben)
  • Mitralklappenprolapssyndrom

Prognose

Bei Beachtung der interaktionsorientierten Therapieregeln gewöhnlich nachhaltige Besserung. Kein gehäufter Übergang in Koronarschäden, wie insbesondere fälschlicherweise von Patienten stets befürchtet wird.

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Letztes Update:3 März, 2009 - 12:12